Lasst uns feiern!

„….
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.“
(Hölderlin)

Es gibt was zu feiern! Auch wenn viel Schlimmes passiert gerade: Es passiert auch viel Schönes! Es gibt so viele wunderbare Menschen, die wunderbare Sachen machen, Menschen, die es anders machen und besser.

Anja hält ihre Rinder das ganze Jahr draußen, im Nationalpark Unteres Odertal. Die Mutterkühe behalten ihre Kälber und ihre Hörner.

Annegret erforscht, schützt und vermehrt alte Apfelsorten: ein besonderes Kulturgut, ein Schatz.

Micha angelt in den Seen der Umgebung und räuchert Fisch – total lecker!

Vera und Jens haben ein Strohballenhaus gebaut. Stroh: ein nachwachsender Rohstoff. Isoliert super. Ein urgemütliches Haus. Nicht mal furchtbar teuer. Man kann Strohballenhäuser sogar selber bauen.

Katrin lässt die männlichen Küken leben. Die Hähne leben draußen, zusammen mit den Hühnern. Manche von denen legen grüne Eier.

Uwe und Christoph haben Erfahrung mit naturgemäßer Bienenhaltung. Sie wollen sie nicht mehr ausbeuten und quälen.

Immer mehr Menschen achten darauf, keine Spur zu hinterlassen, keinen Müll, keine Zerstörung. Tinas Mann hat Kompostklos gebaut.

Die Menschen tun sich zusammen, um was zu verändern. Überall entstehen menschenfreundliche Innenstädte, oft ausgelöst von kleinen Bürgerinitiativen. Sogar in Ämtern und Verwaltungen trifft man immer öfter engagierte Leute – Verkehrsdezernenten, die sich für die Verkehrswende stark machen, Wasserwerker für sauberes Trinkwasser und saubere Flüsse.

Und warum wohl sind Peter Wohllebens Bücher über den Wald Bestseller geworden? Ich glaube, seine Bücher erinnern uns an eine alte Sehnsucht. Wir möchten gerne die Lebewesen auf der Erde als gleichberechtigt respektieren und nicht länger ausbeuten.

Viele junge Menschen können es nicht mehr mitansehen, wie intakte Ökosysteme zerstört werden für Profit und noch mehr Profit.

Johanna gibt Kurse in Permakultur. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, leben und arbeiten in Garten- und Landbaubetrieben und Wohnprojekten nach den Prinzipien: Verbindung, Vertrauen und Respekt vor dem anderen Lebewesen.

Es hat lange gedauert, aber langsam verbindet sich das ältere Wissen um die Zusammenhänge mit der modernen Naturwissenschaft, die trennt und analysiert. Das Buch „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer, Professorin für Botanik, Nachfahrin indigener Nordamerikaner, ist das wichtigste und faszinierendste Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe.

Auch wie wir unser Zusammenleben gestalten, wie wir Entscheidungen treffen, welche Regeln wir uns geben und wer mit am Tisch sitzt – auch dafür entstehen gerade neue Formen. Beim Camp der Grünen Jugend am Hambacher Forst und auf mehreren Festivals habe ich´s erlebt: junge Menschen, die neue Formen echter Demokratie leben. Ganz spannend, was da gerade alles entsteht, bzw. wiederentdeckt wird!

Die Balance zwischen Männlich und Weiblich ist die Voraussetzung für alles.

Viele wollen nicht mehr allein leben oder isoliert in der Kleinfamilie und gründen Gemeinschaften, sogar ganze Dörfer.

Wenn wir für unsere Beziehungen andere Formen finden, brauchen wir eine neue Art von Leadership: Man sieht sie schon überall.

Dabei hilft es, Störungen und Fehler als Chancen und Lern-Gelegenheiten zu sehen. Mit dem Drachen tanzen statt ihn zu töten.

Was wir nicht vergessen dürfen: uns an das Schlimme und Böse und Grauenvolle zu erinnern. Julia macht Museums- und Erinnerungsarbeit, damit wir es nicht wiederholen müssen. Und damit wir aufmerksam bleiben.

Respekt vor Anderen und dem Leben funktioniert nur, wenn ich achtsam, freundlich, fürsorglich, ehrlich, respektvoll, ja, sogar liebevoll mit mir selbst bin.

Was wir uns vorstellen können, kann geschehen. Mit den Bildern fängt alles an, mit den Bildern im Kopf. Wenn wir anfangen, anders zu sehen und wahrzunehmen und das Undenkbare zu denken, öffnen wir unseren Kopf für die 144 Möglichkeiten in jeder Situation.

Man nennt es Kreativität.

Das kann man üben. Zum Beispiel beim Zeichnen. Die Formen der Zwischenräume sehen zwischen den Blättern, die Schatten – und nicht den Baum.

Seitdem ich alt bin, bin nicht mehr eingespannt in Kinderzeit, Beruf und Arbeit und habe endlich Zeit und Energie frei, was zu tun für mein Viertel, für den größeren Kreis, für die Generationen, die nach mir kommen. Der Blick weitet sich.

Ob ich selber vorangehe und was Neues in die Welt bringe, ob ich den Wandel mitgestalte oder den Wandel wie eine Hebamme unterstütze – ich sag euch: Es macht unglaublichen Spaß! Es tut so gut, was zu tun. Auch wenn das nur kleine Sachen sind und man überhaupt nicht weiß, was daraus wird.

Schönes zieht Schönes an. Ein besonders schönes Beispiel dafür, wie ein Anfang Neues einladen kann, ist ein kleines Dorf in der Uckermark.

Sarah und Joe ziehen in ein Dorf mit 500 Einwohner*innen und gründen eine Brauerei. Mit drei Kindern, später vieren. In ein Dorf, wo es weder einen Laden gibt noch eine Kneipe, und am Wochenende nicht mal einen Bus.

Das Dorf hat sich verändert. Junge Leute sind hergezogen, haben Betriebe gegründet, gebaut. Die Leute treffen sich im Biergärtchen bei der Brauerei. Und beim ländlichen Wochenmarkt an der alten Feldsteinkirche. Man sitzt zusammen und redet. Und feiert.

Es gibt genug zu feiern.

  • Die Abholzung der Regenwälder nimmt deutlich ab.
  • Der CO2-Ausstoß hat sich deutlich verlangsamt.
  • Heute sterben weniger als die Hälfte der unter fünfjährigen Kinder als noch vor 30 Jahren.
  • Weniger Mütter sterben, weniger hungern und weniger leben in Armut auf der Erde.
  • Die Lebenserwartung ist deutlich gestiegen, auch in den ärmsten Ländern.
  • Mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser.
  • Erneuerbare Energien sind deutlich billiger geworden.
  • Es sieht so aus, als könnten wir die Erderwärmung stoppen
  • und jedem Menschen ein gutes Leben ermöglichen, auch in der Zukunft.
  • 70 bis 80% aller Menschen überall auf der Welt sorgen sich um den Klimawandel.

(s.: Our World in Data: https://ourworldindata.org)

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