VOGELGARTEN

Gute Nachrichten aus dem Garten

Vogelsterben war das Thema in meinem zweiten Blogbeitrag. Das war 2004. Jetzt sitze ich im Garten und hab das schönste Vogelkonzert. Es gibt jetzt mehr Vögel in meinem Garten als vor elf Jahren. Und es werden mehr. Ja, es stimmt: es gibt mehr Vögel hier bei uns am Rand von Köln. Jeden Tag kann ich mich darüber freuen.

Die Amseln waren immer schon da. Rotkehlchen hatten wir auch immer schon. Meisen sowieso. Den Zaunkönig sehe und höre ich auch manchmal.

Spatzen: Früher wohnten sie bei uns unterm Dach. Dann mussten wir das Dach erneuern und sie kamen nicht mehr rein, um Nester zu bauen. Trotzdem gibt es jetzt mehr Spatzen. Wir haben Spatzenkästen aufgehängt.

Mauersegler, die eleganten Kunstflieger. Immer um den ersten Mai herum, wenn ich ihre Schreie höre: das reinste Glück, dass jetzt der Sommer kommt. Und dann, Anfang August, wenn sie sich sammeln zur Winterreise: das Fernweh. Ich glaube, es sind weniger geworden. Aber kein Wunder, sie fressen ausschließlich Insekten. Vielleicht hatten sie auch mehr Platz für Nester unter unserem alten Dach. Wir haben spezielle Kästen für Mauersegler aufgehängt.

Der Grünfink ist neu. Ich höre ihn immer nur, gesehen hab ich ihn noch nicht. genauso das Rotschwänzchen.

Seit ein paar Jahren kommen Spechte, die gab es hier früher nicht. Sie sitzen am Birnbaum und hacken auf der Rinde rum.

Tauben hört man sowieso immer, alle möglichen: Ringeltauben, Haustauben, Wildtauben, Türkentauben, Turteltauben.

Vor ein paar Jahren kamen die Stieglitze. Sie brüten bei uns.

Sie bauen Nester: im Efeu, im wilden Wein, im Geißblatt. Ich räume schon lange nicht mehr auf im Herbst. Der Rasen wird erst gemäht, wenn der Rasenmäher es so gerade eben noch schafft. Gespritzt wird überhaupt nicht, noch nie in meinem Garten, seitdem ich ihn habe. Wir haben auch immer viele Schmetterlinge, sie überwintern in den toten Stengeln.

Die Brennesseln neben dem Kompost lass ich stehen. Nur was im Weg ist, kommt auf den Kompost. Oder direkt als Mulch auf die Beete. Die Belohnung, wenn man Brennesseln stehen lässt, im Juni: Glühwürmchen!

Der fast abgestorbene Holunder bleibt stehen. Im Totholz wohnen Insekten, Maden und Würmer: Futter für die Vögel. Auch die Wildfruchthecke ist beliebt bei den Vögeln. Ölbaum, Kornelkirsche, Felsenbirne. Eine Eberesche fehlt noch. Eine Haselnuss für die Eichhörnchen. Vor kurzem flitzte ein rotes über die Straße.

Einen winzigen Teich hab ich angelegt. Das Wasser kommt vom Dach. Wenn es länger nicht geregnet hat, fülle ich nach. Die Vögel warten immer schon, wenn ich mit dem Schlauch komme. Alle kommen sie zum Baden und zum Trinken, da sehe ich sie auch und höre sie nicht nur.

Nicht nur die Vögel, auch Wasserläufer, Bienen, Hummeln und Wespen. Und immer wieder die Libellen: die großen grünen, dieses Jahr zum ersten Mal auch die blauen. Die großen grünen müssen wohl Eier gelegt haben. Ich hab ihre schwarzen Larven im Wasser gesehen. Die sind so groß, dass ich zuerst dachte, es wären Molche.

Früher hatten wir Molche hier. Sie sind verschwunden. Vielleicht haben die Vögel sie gefressen, oder ihre Eier. Alles verändert sich, dauernd. Und Schönes verschwindet auch. Elstern und Eichhörnchen rauben die Vogelnester aus, Tauben und Elstern vertreiben die kleinen Vögel am Teich – aber die kommen ja sofort wieder.

Ich liebe Katzen, bin mit ihnen aufgewachsen, aber als unsere letzte Katze gestorben ist, haben wir keine neue geholt. Wegen der Vögel.

Ich sitze auf der Terrasse beim Frühstück. Die Kletterrose: eine Wolke in Aprikot, die Sonne scheint, es hat ordentlich geregnet, alles wächst wie verrückt, alles blüht.

Plötzlich ein lautes Gekreische. Das Geschrei kenne ich, von früher, aus der Kindheit. Stare!

Die Kirschen sind reif. 20 bis 30 Stare sitzen im Kirschbaum. Unten sitzen sie auch. Die Amseln picken die Kirschen an und lassen sie hängen. Die verfaulen dann am Baum. Die Tauben reißen ganze Zweige ab und schmeißen sie runter, auch wenn die Kirschen noch hart und grün sind. Die Stare dagegen, wenn ihnen eine Kirsche runtergefallen ist, fliegen runter und fressen schön säuberlich alles ab.

Nach drei Tagen haben die Stare den großen Süßkirschenbaum ratzekahl leergefressen. Ich lasse sie. Was soll ich auch machen? Ich kann mich ja nicht den ganzen Tag hinstellen und die Stare vertreiben. Netze hab ich nicht, will ich auch nicht, außerdem ist der Baum auch schon viel zu groß dafür. Und die ganzen Geheimtipps: Lametta, CDs im Baum, Vogelscheuchen, Krach: darüber lachen sich die Stare doch kaputt.

Außerdem hab ich noch einen zweiten Kirschbaum, der blüht und trägt immer zwei Wochen später als der erste. Da gehen die Vögel komischerweise nicht so gerne dran. Die Kirschen sind größer und haben eine etwas härtere Schale. Vielleicht mögen sie die nicht.Vielleicht sind die Kirschen vom ersten Kirschbaum aber auch immer genau zur Brutzeit der Vögel reif, wenn sie mehr Futter brauchen oder anderes. Ich weiß es nicht.

Vor Jahren schon hab ich beschlossen: Die Kirschen vom ersten Baum sind für die Vögel. Die vom zweiten Baum sind für uns. So haben alle was davon und ich hab keinen Stress.

Hier das Video, mit den Vogelstimmen: https://www.youtube.com/watch?v=zDFbnLq5mf0

2 Gedanken zu “VOGELGARTEN

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