Inspiration

Woher kommen eigentlich die Ideen für Comics, Geschichten, Bilder, Kunst? Bin ich schon öfter gefragt worden. Heute geht’s genau darum.

Kennt ihr das, man wacht auf und hat einen Satz im Kopf? So, als hätte ihn jemand gerade gesprochen? Das hatte ich mal ganz deutlich – und es ist was Verrücktes daraus geworden.

„Er kam rein, durchquerte den ganzen Raum und verschwand irgendwo hinten – er war vollkommen nackt. Bis auf die Stiefel.“

Das war der Satz. Das Bild dazu sah ich vor mir. Dieser Satz ließ mich nicht mehr los. Das Bild auch nicht.

Ich hab gezeichnet, den Typen in der Bar, zuerst mit Löwenkopf, dazu eine Löwen-Frau, Hyänen. Arbeitstitel war „Die Löwen“. Irgendwie hatte der Typ was Löwenhaftes.

Kurz darauf sah ich den Film „The Wrestler“ mit Mikey Rourke: Das war er! Rourke wurde mein Modell für „Leo“. Klar musste der Leo heißen. Das Gute war, mein Mann sieht ihm ein bisschen ähnlich, den konnte ich als Modell gebrauchen.

Und aus dem Satz, der von irgend einem Traum übrig geblieben war, wurde ein Text:

Sie sah ihn in einer Bar in Coober Pedy.

Draußen war ein unglaubliches Gedränge.

Das Woodland-Festival hatte gerade begonnen.

Ich hatte mich in diese Bar geflüchtet. Mit zwei Frauen, die ich aus Deutschland kannte.

Er kam rein, durchquerte den ganzen Raum und verschwand irgendwo hinten.

Er war vollkommen nackt. Bis auf die Stiefel.

Es war der Anfang von OUTBACK, meiner zweiten Graphic Novel. Aber es war nur ein Anfang.

Wie ging es weiter? Wieso rannte der Typ nackt durch die Bar? War das ein Verrückter? Machen die das manchmal so in Down under?

Mein Bruder lebt in Queensland und der erzählte, dass das schon mal vorkommt, dass einer sich auf einer endlosen Autofahrt durchs Outback in der Hitze sämtliche Klamotten vom Leib reißt und an der nächsten Tankstelle dann so, wie er ist, aussteigt und nicht mal merkt, dass er nichts anhat.

Faszinierend irgendwie.

Und wer ist das, die da mit zwei Frauen aus Deutschland in der Bar sitzt und die Geschichte erzählt ?

Das ist Mona. Sie ist die Hauptperson. P!nk war mein Modell.

Mona macht das, was ich 2012 am liebsten auch gemacht hätte: sie fährt mit dem Motorrad durch Australien, ohne Plan, ohne Pflichten, ohne Aufgaben, ohne Zeitdruck, völlig frei. Sie hat in Deutschland alles hingeschmissen nach einer üblen Mobbinggeschichte, wo sie das Objekt war und bei der sie sich am meisten über sich selber geärgert hat.

So, nun hatte ich einen Anfang, ein paar lose Ideen und Bilder. Das war aber immer noch keine Geschichte. Mein Sohn ist Drehbuchautor, und der hat mir damals den entscheidenden Tipp gegeben: Geschichten werden erst dann interessant, wenn die Hauptpersonen sich verändern und eine Entwicklung durchmachen. Mit allen Schwierigkeiten und Ängsten und Widerständen, die dazugehören.

Wenn sie die Heldenreise machen.

Welche Muster lebt Mona, dass sie immer wieder in blöden Situationen landet und sich selbst ein Bein stellt? Und was muss passieren, damit sich was ändert?

War irgendwie klar, was da los war mit ihr.

Und was passieren musste, war auch von diesem verrückten Kontinent inspiriert. Ich hab´s aufgeschrieben und gezeichnet – viel nach eigenen Fotos. Diesmal nicht auf Papier wie bei KRIEGERSTOCK, sondern am Bildschirm.

Vier Jahre hab ich gebraucht. Schließlich musste ich ja auch noch arbeiten gehen. Ist mir schwergefallen.

Aber das Zeichnen, diese Geschichte, und diese absolut traumhaften australischen Landschaften, das hat mich gerettet.

Und so ist OUTBACK entstanden.

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